Der B.O.F.H. wird zum Vertragskiller, als er Schäden beseitigt, die sein Chef verursachte ...
Ich bin nicht glücklich. Eigentlich ist das nicht selten, aber heute bin ich WIRKLICH unglücklich. Der Abteilungsleiter hat gerade eine Zeitbombe dadurch gestartet, daß er ohne nachzufragen einen großen Wartungsvertrag mit einem unserer Hardwarelieferanten abgeschlossen hat, der uns einen fünfzigprozentigen Rabatt einräumt. Nun gefällt mir ein Rabatt bei Wartungsverträgen ungefähr ebenso, wie irgendein anderer Administrator, der meint, man müsse Wartungstechnikern erst einmal mit einem Sack voller Terminatoren auf den Kopf schlagen, aber das klingt wohl ein wenig verdächtig. Der Abteilungsleiter, bekannt dafür, daß er Probleme hat, unverletzt durch lange Korridore zu gehen, hat es irgendwie geschafft, mit diesen hochqualifizierten und geldgeilen Profis, die das Wartungsteam bei der ´Raub-mich-aus´-Gesellschaft bilden, diesen Rabatt auszuhandeln. Nun, wir werden sehen. Und wo ich gerade dabei bin, er behauptet, ohne Hilfe den Weg zu seinem Büro gefunden zu haben, was ich bezweifle. Alles was mir nun bleibt, ist zu sehen, welchen Schwachsinn er da konkret ausgehandelt hat. "Was für ein Vertrag ist es?" frage ich, nachdem er in seinem Büro angekommen ist und mich fröhlich angrinst. "Ein Standardvertrag wie vorher. Nur habe ich die Hunde damit für 20 Jahre FESTGENAGELT!" sagt er hämisch lächelnd. "DAS IST EIN WASSERDICHTER VERTRAG! Deren Anwalt hat sich sogar ein wenig dagegen gesträubt!" "Und UNSERE Anwälte?" frage ich und ahne schon, was jetzt kommen wird. "Die werden überschätzt!", antwortet er. "Das hätte ich mit geschlossenen Augen tun können." Ich schaue mir den Vertrag an und sehe, daß er ihn vermutlich wirklich mit verbundenen Augen unterzeichnet hat. "Nun, eine kleine Frage", sage ich und bereite mich auf eine lange Reise ins Land der Ahnungslosigkeit vor. "Ja?" "Sie wissen, daß WIR ebenfalls für 20 Jahre an diesen Vertrag gebunden sind?" "Natürlich." "Nun, merken wir uns das einmal und dann zeigen sie mir bitte irgendein - IRGENDEIN Gerät, das wir schon länger als 5 Jahre haben, ganz abgesehen von 20 Jahren!" Ein Groschen beginnt zu fallen. Langsam. "Oh ... Ah ... Nun ... Keines?!?" piepst er, als der Groschen am Boden ankommt und sich in dieser Hinsicht als lohnende Investition erweist. "Nicht ganz", sage ich. "Wir haben diese große Lochkarten-Stanzmaschine von IBM im Computerraum. Und wissen sie wieso wir die noch haben?" "Um Lochkarten herzustellen?" "Nein, denn wir haben ja keine Lochkartenleser mehr ..." "Ballast für die Klimaanlage!" platzt er heraus und hofft auf einen Treffer. "Nein. Gut, wenn wir die Maschine abstellten, dann wären einige der Lüfter nicht mehr nötig, aber das ist nicht der Grund. Wir haben diese Maschine noch, weil das Gebäude praktisch um sie herum errichtet wurde. Als Schrott könnten wir wohl noch etwa 200 Pfund für sie bekommen, aber wir können das Geld nicht bekommen, WEIL SIE ZU GROSS IST, UM SIE HINAUS ZU TRANSPORTIEREN!" "Ich weiß nicht, worauf sie hinauswollen", gesteht der Abteilungsleiter. Ich prüfe zur Sicherheit noch einmal den Vertrag. "Nun, sie haben einen BINDENDEN, WASSERDICHTEN Vertrag unterschrieben, der besagt, daß wir ihnen monatlich 2000 Pfund bezahlen, jeden Monat der nächsten zwanzig Jahre, damit sie sich um einen Mini-Computer kümmern, der in etwa fünf Jahren jeden Wettkampf gegen einen Taschenrechner verlieren dürfte. Und sie haben offenbar nicht einmal ihre Erlaubnis verlangt, bevor sie diesen Vertrag unterschrieben?!" "Welche Erlaubnis?" "IHRE VERDAMMTE ERLAUBNIS ZUM GELDDRUCKEN! SIE HABEN IHNEN ALLES GEGEBEN! DIE EINZIGE SACHE, DIE SIE VERGESSEN HABEN, WAR EIN HAFTUNGSAUSSCHLUSS!" rufe ich und bin dem Wahnsinn nahe. Ein eiskalter Gedanke geht mir durch den Kopf. "Sie haben ihnen keinen kompletten Haftungsausschluß gegeben, oder?" "Was meinen sie?" fragt unser qualifizierter und professioneller Entscheidungsträger. "Kompletter Haftungsausschluß bei Unfällen. Sie wissen schon, die Leute gehen durch einen Korridor und lassen einen Schraubenzieher fallen, der durch ein Loch für die Belüftung fällt und auf irgendeiner Maschine landet, einen Kurzschluß verursacht und die Maschine in ihre Einzelteile zerlegt. Mit einem Haftungsausschluß hört deren Verantwortung bei einem ´Entschuldigung´ auf." "Ähm ... Nein, nein. Ich bin mir sicher, daß ich das nicht gemacht habe, weil ein Techniker irgendwann meinen Lieblingskugelschreiber zerstört hat, den er auch bezahlen mußte." "Nun, bei 2000 Pfund im Monat werden die Kosten für einen Kugelschreiber sie wirklich in den Ruin treiben." Zwei Wochen später kommt der Techniker von der ´Raub-mich-aus-für-20-Jahre´-Gesellschaft. Um uns das Gefühl zu geben, er verdiene sein Geld, schraubt er das Gehäuse auf, wirft einen Blick auf die Diagnose-Lämpchen, schreibt ein paar Zahlen auf, lächelt selbstgefällig und schließt das Gehäuse wieder. In Wirklichkeit ist er so von sich selbst überzeugt, daß er nicht bemerkt, wie der PJ ihm einen seiner Schraubenzieher klaut und damit verschwindet. Er bemerkt auch nicht die ein wenig hervorstehende Kachel am Boden des Korridors. Bis sein Fuß auf ihr landet und damit, wie geplant, einen Mechanismus auslöst, der ein sehr, sehr lautes ´BANG!!´ unserer unbezahlbaren und historisch wertvollen ersten Lochkartenmaschine erzeugt, als sie mit dem Schraubenzieher des Technikers zwischen dem Netzteil und den nun kurzgeschlossenen Netzkabeln explodiert. Und da es sich um eine alte Maschine handelt, geht sie prompt in Flammen auf. Möglicherweise wird dieser Vorgang noch durch ein petroleumgetränktes Tuch beschleunigt, daß der PJ und ich in weiser Voraussicht in sie hineingestopft haben ... Der Abteilungsleiter und ein Anwalt tauchen lautlos hinter uns auf. Der Anwalt betrachtet sich die Zerstörungen und der Abteilungsleiter den unschätzbaren Betrag, den er mir bei der nächsten Verhandlung über meinen Lohn schuldet ...
Der B.O.F.H. zeigt, daß Dummköpfe nicht auf Bäumen wachsen, sie stattdessen über mehrere Jahre lang trainiert werden müssen ...
"Hallo. Ist dort die Netzwerk-Verwaltung?" fragt ein Nutzer über die Freisprechanlage. Ich nehme das LAN-Topologie-Überwachungs-Gerät (VR Brille [VR: Virtual Reality]) ab und beende die Verbindung mit dem leistungsfähigen Netzwerk-Analyse-Server (VR Panzerschlacht Game-Server), um meine Aufmerksamkeit dem Anrufer zuzuwenden. Die Rufnummernidentifizierung meldet, daß er aus der Erbsenzählerzentrale kommt. "Ja, hier ist die Netzwerk-Verwaltung", antworte ich. "Gut. Ich habe ein Problem mit dem Herunterladen einer Datei aus Brüssel mittels FTP. Die Verbindung wird immer nach genau einem Megabyte abgebrochen." Der PJ grinst zu mir herüber, schreibt hastig einen Zettel voll: "HEUTIGES LIMIT 1024K" und deutet auf die Packet-Filter Software. Langsam wird er richtig gut. "Ah, ja", sage ich und blättere im Ausredenkalender. "Wir haben im Moment mehrere Fälle dieser Art. Wir glauben es liegt an ... Netzwerk-Destabilisierung durch floureszierende Niedrigspannungslampen." "Wie bitte?" "Nun, wenn eine fluoreszierende Lampe eingeschaltet wird, sendet sie einen Strom durch das Kabel zurück, was zu Interferenzen in Netzwerkkabeln führt, die daneben liegen. Gerade bei niedrigen Spannungen tritt dieser Effekt verstärkt auf." [Aus dem Bastard-Wörterbuch: DUMMY MODE, Substantiv. Der Zustand in dem der Nutzer, überwältigt durch technische Begriffe, alles glaubt und/oder tut, was ihm gesagt wird.] "Oh. Und was kann man da tun?" [Habe ich es nicht gesagt?] "Naja, heute können wir nichts mehr unternehmen, denn irgendetwas erzeugt offenbar ständig diese Ströme. Wie groß ist denn die Datei, die sie brauchen?" "Etwa 1.6 Megabyte." Ich kritzele auf den Zettel des PJ: "MORGIGES LIMIT 1.59 MEGEBYTE" und gebe ihn ihm zurück. "Nun", erwidere ich. "Gibt es in ihrer Etage irgendwelche Lampen, die mit niedriger Spannung betrieben werden?" "Ich habe keine Ahnung." "Nun, sie müßten klein sein, meistens sind es rechteckige Lämpchen, wie man sie in Anzeigen oder Displays findet." "DIE NOTAUSGANGS-SCHILDER!!" ruft er, als er endlich das Ende des Pfades gefunden hat, auf den ich ihn schickte. "Natürlich!" rufe ich und teile seine Begeisterung. "Sie sind über den Türen angebracht, wo auch die Netzwerkkabel liegen. Nun, es sieht so aus, als könnten sie im Moment nichts unternehmen - und wir können die Kabel leider auch nicht so schnell neu verlegen. Ich bedaure ..." "Und könnten wir nicht die Notausgangsschilder woanders anbringen?" "Oh, ich fürchte, WIR können dies nicht, selbst wenn wir die Zeit hätten." "Oh?" "Nein, wir haben einfach nicht die Zeit, die Abdeckung der Kabelschächte abzunehmen, dann jedes Ausgangsschild mit seinem Kabel ein paar Meter von den Datenkabeln wegzuschieben und die Abdeckung wieder anzubringen." "Oh", antwortet er. Das Rattern seiner Gedanken ist dabei beinahe zu hören. "Dann muß ich eben versuchen, die Datei in kleineren Paketen zu übertragen." Ich lege auf, streiche auf dem Zettel des PJ die 1024K durch und ersetze sie durch 50K. Ich nicke ihm zu, den Filter entsprechend einzustellen. "Er wird es nicht tun ..." sagt der PJ. Er ist so jung und hat doch schon kein Vertrauen mehr ... "10 Pfund?" frage ich. "Es ist ihr Geld", sagt er naiv an leichtverdientes Geld denkend. Der nächste Morgen bricht an und ich verstaue einen druckfrischen neuen 10 Pfund-Schein in meiner Geldtasche. Der PJ hat mit Empörung festgestellt, daß die Notausgangsschilder tatsächlich nicht mehr über den Türen leuchten, sondern links und rechts an der Wand des Notausgangskorridors, damit sie die Netzwerk-Kabel nicht mehr stören. "Man sollte niemals die Verzweiflung eines Nutzers unterschätzen", erkläre ich und bringe ihm so einen weiteren wichtigen Grundsatz der Kunst der Netzwerkbetreuung bei. Um ihn ein wenig abzulenken, lasse ich ihn neue ´Kabellose Infrarot-LAN-Sender und -empfänger´ (Infrarot-Kameras) in der Erbsenzähleretage installieren. Ich verteile noch ein paar Kabelrollen, so daß es aussieht, als seien wir sehr mit Arbeit beschäftigt. Etwas später an diesem Nachmittag ist die Netzwerkzentrale beinahe mit befreundeten Netzwerkadministratoren aus anderen Firmen überfüllt. "Sie kennen die Regeln", erkläre ich. "20 Pfund pro Spieler mit Ausnahme des PJ und mir, denn wir sind die Gastgeber und beginnen auch mit der Wahl unseres Spielers." Zustimmendes Nicken, als der PJ die Wetteinsätze einsammelt und wir die Spiel-Monitore einschalten. Als jeder seinen Spieler ausgesucht hat, kann es losgehen. "Laßt das Spiel beginnen!" rufe ich, betätige den Schalter, der das Licht in der Erbsenzähleretage und den Treppen abschaltet und löse den Feueralarm aus. "Gewonnen hat der, dessen Spieler als erster das sichere Treppenhaus erreicht!" Durch die Infrarotmonitore beobachten wir, wie das Chaos ausbricht, wie jeder in der Dunkelheit verzweifelt versucht, in die scheinbare Sicherheit, die die matt leuchtenden Notausgangsschilder versprechen, zu gelangen. Der Tribut, den die neuangebrachten Schilder von den Wänden verlangen, ist recht hoch und wird sich vermutlich nur durch eine dicke Schicht Putz wieder berichtigen lassen. Nächstes Hindernis (für die schlaueren Wettbewerber) auf der Liste sind Kabelkisten, die der PJ zufällig in den Korridoren verteilt hat. "Das ist wie Pinball mit mehreren Kugeln!" ruft der PJ begeistert. Zehn Minuten später zähle ich meinen Gewinn - denn natürlich hat der Erbsenzähler, der die Schilder neu angebracht hat, gewonnen ... Und da behaupten manche noch, mit Netzwerken könne man kein Geld verdienen.
Die Handschrift des B.O.F.H. entwickelt sich zu kindlichem Gekritzel beim Versuch, astronomisch hohe Ausgaben ersetzt zu bekommen ...
Es ist ein angenehmer Tag in der Netzwerkzentrale, als ich zu einem Treffen mit den Erbsenzählern schlendere. Es soll um die Spesenabrechungen gehen, die ich für die letzten beiden Monate abgegeben habe. Es sieht so aus, als hätte sich die brandneue, topmoderne und mit überflüssigen Funktionen nur so vollgestopfte Schrifterkennungssoftware (zur Erfassung von Spesenabrechnungen und deren Überführung in Tabellen, um dann allerlei mystische Berechnungen vorzunehmen, um denjenigen zu finden, der all die Spesengelder ausgibt) sich an meinen Belegen und Rechnungen verschluckt. Vielleicht, und hier muß ich raten, liegt das daran, daß ich nicht WILL, daß jemand herausfindet, wieviel ich wirklich ausgebe. Wenn ich wollte, daß der Chef ´Bier und Wodka´ auf meinen Spesenabrechnungen liest, würde ich in Großbuchstaben ´BIER und WODKA´ schreiben und nicht ´Briek und Brohrl´ hinkritzeln, als hätte ich eine Schreibhemmung. Es ist schließlich ein Vorrecht von Netzwerk-Administratoren, sich für ihr eigenes Geld ein paar Chips zu kaufen, sich dann eine horrende Rechnung vom Bartisch zu greifen und die Firma dafür zahlen zu lassen! Ja, das ist ein gottgegebenes Recht! Ich bereite mich geistig und moralisch mit ein paar Gläsern Bier und Chips in der nahegelegenen Kneipe auf das Treffen vor. Zehn Minuten später bin ich in der Erbsenzählerzentrale und rede mit einem ihrer Repräsentanten. "Gut, kommen wir zu den Spesen für Essen und Trinken ... was soll das heißen?" fordert der Erbsenzähler mich heraus. "Briek und Brohrl. Was zum Teufel sind Briek und Brohrl?" "Lassen sie mich mal sehen ... " antworte ich und heuchle Hilfsbereitschaft. "Oh! Das ist Rindfleisch! Ich habe wohl ein Steak gegessen!" "Und Brohrl?" "Brohrl. Hmm ... Brüsseler Kohl, Rosenkohl!" "Sie haben für 150 Pfund Steak und Rosenkohl gegessen??" "Könnte schon sein. Es war außerhalb der Steak- und Rosenkohl-Saison ... Übrigens sehr lecker, wenn es richtig zubereitet serviert wird. Und es war ein sehr großes Steak ... " Eine halbe Stunde, die wir mit kreativer Veranschaulichung von Speisen zubringen, später ... "Was ist das?" fragt der Erbsenzähler. "Briek und Escrot?" "Nun, das erste ist offensichtlich wieder Rindfleisch und das andere ... hmmm ... sieht irgendwie wie ESCORT aus, stimmt´s?! HA HA HA! Stellen sie sich das vor - die Firma zahlt für einen Begleit-Service! Nein, ich weiß wirklich nicht, was es sein könnte - irgedeine Delikatesse, die sie im Kongreßzentrum von Amsterdam servieren?" Natürlich habe ich es kommen sehen. Die neue Handschriftanalyse-Software kann ohne Probleme mein ´Briek und Brohrl´ und mein ´Ligord und Amno´ lesen, übersetzen und auch noch herausfinden, wo ich was zu mir genommen habe, wieviel ein Treffer gekostet hat und wie ihr Name war! Ich glaube nicht, daß ich betonen muß, daß diese Entwicklung alles andere als positiv ist. Zum Glück glaube ich fest daran, daß bei der Weiterentwicklung der Technik die Menschen sich schrittweise zurückentwickeln sollten, was eine Form von Selbstverteidigung ist. Also begann ich, meine Schreibgeräte und Schriftgröße zu variieren und füllte meine Formulare halb mit einem Buntstift und halb mit Fingerabdrücken aus (was alles der gegenwärtigen Vorschrift entspricht, die vorschreibt, daß Spesenabrechnungen handschriftlich ausgefüllt werden müssen). Möglicherweise ist es auch die unterschiedliche Größe meiner Buchstaben, die der Software Probleme macht. Manchmal sind die Buchstaben 16 Punkte groß, manchmal auch 1600 ... Die Ankunft eines neuen Erbsenzählers, der den alten, der wirklich erschöpft aussieht, ablöst, weckt mich aus meinen Gedanken ... "Simon, nur noch ein paar Unklarheiten", beginnt der neue Erbsenzähler. "Mmmm?" antworte ich zu jeder Hilfe bereit. "Dies hier. Es ist eine senkrechte Linie. Buntstift, oder?" "Ja. Das müßte stimmen. Ich glaube, das ist der erste Strich vom K im Wort Kalbfleisch." "Hä?" "Ich hatte einen Krampf in der Hand und konnte nicht kleiner schreiben. Ich konnte den Stift kaum halten, aber vergessen wollte ich es auch nicht. Ich werde doch nicht bestraft wegen dieser kleinen Behinderung?" Die Worte ´kleine Behinderung´ versetzen ihn in Angst und Schrecken. Das Management legt auf politische Korrektheit besonders großen Wert, und die kleinste Geschmacklosigkeit gegenüber Behinderten wird mit einem sofortigen Rauswurf geahndet. "Aha. In Ordnung. Aber Kalbfleisch für 100 Pfund?" fragt er nervös. "Es gab eine Salattheke und Weintrauben." "Ich verstehe. Und dies? Das sieht aus wie ein Farbkleks." "Ein Fingerabdruck." antworte ich. "Steak Sandwich. Sehr selten. Schauen sie, hier können sie das S erkennen." "Es ist ein Fleck!" "Nein, es heißt wirklich Steak Sandwich. Ich mußte es abkürzen, damit es auf das Formular paßt, denn mein Finger kann keine dünneren Linien malen." "Warum haben sie keine Tastatur benutzt?" "Was? Um RSI [Repetitive Strain Injury - ´Tastaturkrankheit´] zu riskieren?" Zehn Minuten später gibt der zweite Erbsenzähler gebrochen auf und zählt einfach die Einzelposten zusammen. "Oh!" rufe ich plötzlich. "Ich habe noch etwas." "Was ist das?" fragt er. "Briek und Clops von heute?" "Das steht für ... Rindfleisch und Chips." "Sie hatten zwei Schüsseln davon." "Natürlich, ich muß auf Proteine achten!" Es ist ein Hundeleben, wirklich ...
[b]Der B.O.F.H. verlangt nach einer lästigen Nutzeranfrage Gebühren ...[/]
Es ist Zeit, die Ausbildung des PJ fortzusetzen, also führe ich ihn durch einen Computerraum, als ein Anruf kommt. Was zum ...? Nun, niemand außer uns ist im Raum, also gehe ich ans Telefon. "Hallo." "Ist dort der Computerraum?" "Ja ..." "Sind sie der Systembetreuer?" Ich schaue mich schnell um - außer dem PJ gibt es keine Zeugen. "... Ja ..." "Ich glaube, sie haben eine defekte Festplatte in ihrem Datenbankserver." "Wirklich? Wie kommen sie darauf?" "Nun, meine Datenbank-Updates funktionieren nur sehr langsam." "Welche Updates?" "Ich versuche, die mittleren Initialen aller Angestellten und Geschäftspartner seit 1991 durch große Buchstaben zu ersetzen." "Wie ... sinnvoll. Und sie erwarten, daß diese ganze Arbeit in wenigen Augenblicken erledigt ist?" "Handelt es sich etwa nicht um ein Festplattenproblem?" "Nein, wir würden es schon vorher wissen, denn die Festplatten sind mit einem Warnsystem ausgestattet, das einen Ausfall ankündigt." "Wirklich?" "Ja, und ich sage voraus, daß sie in drei Sekunden ausfallen." "Wieso?" "Weil ich die Server dann abschalte." Ich höre einen ganzen Sturm von Tastenanschlägen, aber sie kommen zu spät, um noch etwas zu bewirken ... Ein paar Rüttler an den Kabeln und einen lauten Klick später beginnt ein rasch improvisierter Neustart der Festplatten, dem eine automatische ´Reparatur´ folgen wird. Der PJ, dem seine Ausbildung wichtig ist, beobachtet aufmerksam alles und macht sich Notizen. "Keine Zeugen", erinnere ich ihn, als wir zum nächsten Gerät gehen. Gerade rechtzeitig sehe ich noch, wie der Chef um die Ecke biegt und zu uns kommen will. Noch ein >Klick< und der Beweis für unser Handeln verschwindet. "Was ist passiert?" fragt der Chef aufgeregt. "Wann?" frage ich überrascht und ahnungslos zurück. "Gerade eben - meine Datenbank-Sitzung blieb einfach stehen!" Der PJ und ich stellen uns dumm, solange der Chef die Nachrichten auf den Kontrollmonitoren nach Spuren der Bastardisierung untersucht. Natürlich findet er nichts, so daß er nach ein paar Minuten wieder verschwindet. Als ich sicher bin, daß er nicht so schnell zurückkommen wird, schließe ich die Konsolen wieder an den Datenbankserver an und beobachte die Meldungen, die das Festplattenreparaturprogramm auf den Monitor zaubert. Der Chef ist so berechenbar, daß er in ein Laufrad gehört. Das Telefon im Computerraum klingelt wieder. Der PJ greift danach. Ich schüttle meinen Kopf und forme mit den Lippen das Wort "Ausbildung". Ich greife nach dem Hörer. "Hilfe, meine Tabellen spielen verrückt!" heult der Nutzer. "Beschreiben sie das näher", fordere ich ihn auf. "Nun, dort, wo der Eintrag aus der Datenbank kommen soll, funktionieren sie einfach nicht!" "Hmm. Das klingt ganz nach einem Prä-Revisions SQL-Befehl in ihrer Tabelle." >DUMMY MODE EIN< "Hä?" "Also, öffnen sie ihre Tabellenkalkulation. Irgendwo im Menü gibt es einen Eintrag zur Ausführung von SQL-Anweisungen." "Ah ... Oh, ja, hier ist er!" "Gut. Jetzt klicken sie auf den Eintrag. Dann sollte ein Fenster aufgehen, in dem ´SELECT irgendetwas FROM irgendwo WHERE irgendetwas anderes´ steht." "Ja, das steht da." "Jetzt löschen sie alles bis auf das, was zwischen FROM und WHERE steht." "Gut, jetzt steht nur noch HR_IDX, ein Komma, HR_SAL_SCALE, wieder ein Komma und HR_NAME da." "Richtig, das sind die fehlerhaften SQL-Anweisungen, die sie loswerden wollen. Also schreiben sie jetzt vor jeden Eintrag ´DROP´ und ersetzen sie die Kommas jeweils durch ein Semikolon. Dann lassen sie jedes DROP auf einer neuen Zeile stehen. Nun müssen sie noch die ´Automatisch ausführen´-Option aktivieren und sich mit dem Login und dem Passwort des Chefs anmelden, um die SQL-Fehler zu beseitigen." "Aber ich kenne das Passwort doch nicht!" "Natürlich kennen sie es. Es ist der Name seiner Frau, oder?" "Ihr zweiter Vorname. Aber er hat gesagt, wir sollten es nicht nutzen, weil er speziellen Rechte hat, um ..." "Um fehlerhaftes SQL zu berichtigen, was sie tun wollen ..." "Oh ... >Klick. Klick. Klick.< ... Das ist lustig. Meine Tabelle ist nun völlig leer!" "Das ist korrekt so, weil die Reparaturen einige Zeit dauern werden. Und vergessen sie nicht, ihren Chef über die ´Reparatur´, die sie gemacht haben, zu informieren." "Mache ich. Vielen Dank!" "Schon gut. War mir ein Vergnügen. Wirklich." Kaum habe ich aufgelegt, klingelt das Telefon schon wieder. "Computerraum ..." seufze ich. "Hallo, wir haben ein Problem mit der Angestellten-Datenbank. Es sieht aus, als sei die Hälfte der Einträge verschwunden!" "Ja", murmle ich. "Wir arbeiten zur Zeit daran." "Oh. Gut, und läuft es jetzt?" "Natürlich. Und schon bald können sie sie wieder nutzen ..." "Großartig!" "... wenn sie darauf zugreifen können. Die Gebühren für eine Anfrage betragen heute fünf Pfund." "Was?!" "Pro Anfrage!" "Sie machen Witze!" "Pro Minute." "Das können sie nicht tun!" "Da haben sie Recht. Ich kann das nicht tun - ich habe nämlich Mittagspause, aber vielleicht kann ihnen mein Assistent helfen." Ich gebe den Telefonhörer dem PJ und marschiere in die Cafeteria, um zu prüfen, wie der Kaffee heute schmeckt. "Zehn Pfund", höre ich den PJ fordern. "Was?" "Pro Anfrage und pro Minute." Fünfzehn Minuten später gesellt er sich zu mir, um mir in der Cafeteria die wilde Horde von Nutzern zu beschreiben, die darauf lauert, die Systembetreuer in ihre Hände zu bekommen. Man kann für diese Genugtuung nicht bezahlen. Es sei denn, man ist ein Nutzer ...
"Also, ich denke, es wäre gut für die Zusammenarbeit der Abteilungen untereinander, wenn wir alle für einen Tag einmal in einer anderen Abteilung arbeiten", erklärt der Chef, um seinen ´Job-Sharing´-Plan zu verteidigen, mit dem er uns ungefähr alle sechs Monate nervt. "Der Geschäftsführer war begeistert von meiner Initiative!" "Sicher wissen sie, daß dann unser Netzwerk ohne Aufsicht ist, oder?" "Genau deshalb werden sie an der Hotline arbeiten", antwortet der Chef lächelnd. "Sie werden dann als Erster erfahren, ob es Probleme gibt ..." Alle Argumente, die ich vorbringe, werden doppelt so schnell vom Chef zurückgewiesen, was bedeutet, daß ein Tag in der Höllen-Hotline unvermeidlich ist. Der PJ, gesegnet sei er, riecht den Braten. "Was ist passiert?" fragte er. "Der Chef kann einfache Fragen nicht beantworten, selbst wenn er die Nacht zuvor mit dem Studium von Fachliteratur zugebracht hat, aber heute hat er plötzlich Antworten auf alle Probleme! Und sie haben nicht einmal gekämpft. Es scheint beinahe so, als hätten sie es darauf angelegt, einen Tag lang die Fragen dummer Softwarenutzer zu beantworten! Was ist los!?!?" Leider ist es notwendig, daß ich jemanden in meinen Plan einweihe. Und sei es auch nur, um zu beweisen, daß ich noch immer die volle Kontrolle habe. "Schauen sie sich mal in der Abteilung um", sage ich. "Betrachten sie die Ausrüstung! Wo steht stets die neueste Technik?" "Nun, in der Hotline - die brauchen immer das Neueste und Beste, um die Software der Anrufer auf ihren Maschinen zu testen. Aber ich verstehe nicht ..." "Wieviel RAM-Speicher hat ihr PC?" will ich wissen. "16 Megabyte." "LÄCHERLICH!" rufe ich. "Warum? Nun, jeder PC in der Hotline hat mindestens 32, einige haben sogar 64!" "SIE HABEN VOR, IHNEN HARDWARE ZU STEHLEN!" antwortet der geschockte PJ. "Aber wir ... wir teilen uns doch alles, oder?" "Ja, mein Freund!" rufe ich und fülle meine ´Brotbüchse´ mit Werkzeug. Am nächsten Morgen bin ich schon vor Arbeitsbeginn (!) vor Ort, um meinen neuen Posten einzunehmen. Das Telefon klingelt schon fünf Minuten vor der offiziellen Bürozeit. Aber ich bin so gut gelaunt, daß ich mich melde. "Hallo, ist dort die Hotline?" fragt eine nervöse Stimme. "Aber natürlich", antworte ich hilfsbereit. "Auf der Platte meines Bildbearbeitungsrechners ist kaum mehr Speicherplatz frei. Jemand hat mir empfohlen, daß ich alle nicht genutzten Dateien mit einem ´Komprimierprogramm´ zusammpacken soll. Aber welches Programm soll ich dazu denn benutzen?" "Sie haben einen Macintosh, stimmt´s?" frage ich. "Ja, den Grafik-Server der Abteilung", antwortet er. "Genau. Nun, sie können den Standard-Komprimierer benutzen, der auf dem Desktop installiert ist. Ich glaube, er heißt ´Papierkorb´." "Aber kann man damit nicht Dateien löschen?" "Nein, dafür ist die ´ENTFERNEN´-Taste da. Aber sie haben keine auf ihrem Computer, also sind sie völlig sicher. Ziehen sie die Dateien einfach auf den ´Papierkorb´-Ordner und wählen sie dann ´Papierkorb leeren´, damit der Komprimierer die Dateien komprimiert." "Wirklich?" "Ja. Das ist übrigens eine sehr effiziente Methode zum Komprimieren. Sie werden überrascht sein, wieviel freien Platz sie durch die Arbeit des Komprimierers gewinnen." Ich lasse den armen Idioten seine gesamte Arbeit für die Abteilung ´komprimieren´ und widme mich wieder meiner eigentlichen Beschäftigung. Ich entferne alle Coprozessoren und überflüssige RAM-Bausteine, nachdem ich im BIOS die nötigen Änderungen vorgenommen habe, damit die BIOS-Routinen die fehlende Hardware nicht bemerken. Ein Kinderspiel, wirklich. Um eine Entdeckung sicher zu verhindern, schalte ich noch überall wo es geht den virtuellen Speicher ein. In der Zwischenzeit ist der PJ damit beschäftigt, unsere Nummern aus dem Telefonverzeichnis der Hotline zu entfernen. Danach schließt er die Batterien und die Speicherchips der Telefone kurz, was zwangsläufig und irgendwie zufriedenstellend die noch gespeicherten Nummern löscht. Das Telefon klingelt, und da die Maschine des PJ noch immer mit heraushängenden Innereien dasteht, nehme ich den Anruf an. "Hallo, Hotline?" fragt der Anrufer. "Ja, was kann ich für sie tun?" frage ich noch immer bestens gelaunt, denn die Menge der verkäuflichen Hardware in meiner ´Brotbüchse´ nimmt schnell zu. "Ich habe meine Software aktualisiert, und nun spielt das CD-ROM-Laufwerk keine Musik-CDs mehr." heult der Anrufer. "Nun, das liegt vermutlich nur an Staubablagerungen auf der CD-ROM-Linse", antworte ich. Ich weiß natürlich, daß diese Problem auf der ersten Seite des Handbuches beschrieben wird, doch wer liest heute noch Handbücher? "Was kann ich nur tun?" "Nun, sie haben doch sicher von ihrem CD-ROM-Hersteller eine speziell für diesen Laufwerkstyp vorgesehene Reinigungs-CD?" frage ich. "Äh ... nein", kommt die Antwort. >DUMMY MODE EIN< "In Ordnung, bleiben sie ganz ruhig. Dann müssen wir eben mit einer leichtbeschichteten Schleifscheibe improvisieren." "Großartig!" freut sich der Anrufer. "Wie?" "Nun, leihen sie sich am besten gleich morgen beim Hausmeister ein Blatt feinbeschichtetes Schleifpapier. Dann nehmen sie sich eine ihrer CDs als Schablone und schneiden eine Schleifpapierscheibe mit der Größe der CD aus. Dann legen sie diese Scheibe in ihr Laufwerk und starten es." "Aber wie kann ich merken, daß alles fertig ist?" "Nun, sie werden hören, wie das Laufwerk hochfährt. Dann hört es langsam wieder auf zu rotieren. Wenn das Laufwerk keine Geräusche mehr von sich gibt, ist die Reinigung abgeschlossen." "Vielen Dank!" freut sich der Anrufer, dann legt er auf. ... Der PJ und ich sind beinahe traurig, als wir am Ende des Tages die Hotline verlassen. Irgendwie ist ihr Potential doch sehr vielversprechend. Ich erlaube mir ein düsteres Lächeln, als ich ein Streichholz im Schlüsselloch der abgeschlossenen Tür zur Hotline plaziere. Da müssen sie morgen wohl etwas später beginnen ...