Nich so ungeduldig, ich muss doch auch mal schlafen...
Die dauernde Langeweile bringt mich um. Also lese ich User-eMmails, um die Zeit totzuschlagen. Allerdings muss ich zugeben, dass die heutige Lieferung auch nur zum Gaehnen anregt. Nicht eine wirklich gute Nachricht darunter. Nicht mal versteckte Andeutungen ueber Fummeln im Supermarkt, wie sonst. Gar nichts. Statt dessen muss ich mir den ueblichen Sch... zu Gemuete fuehren: Welcher Verwandte wann welche Art von Operation ueber sich ergehen lassen muss und welche es nicht ueberlebt haben, wie das Wetter auf der anderen Seite des Erdballs ist, die Sorte von Redundanzmails, die nur unsere Queues vollknallen!
Um die Sache etwas aufzulockern, hole ich eine persoenliche Party-Einladung aus einer Mailbox, poste sie unter dem Namen des Senders in alt.singles.with.severe.social.dysfunctions im USENET und mache eine Notiz in meinem Kalender, damit ich rechtzeitig dort bin - mit meiner Videokamera. Koennte was werden! Was steht als naechstes an? Ah ja, die medizinische Datenbank, in der die Vertrauensaerzte der Uni die Krankheitsgeschichten der Angestellten speichern. Ich grepe schnell mal durch nach 'Herpes' und 'Syphilis' und verkaufe die Ergebnisse an die lokale Boulevardpresse. Um meine Spuren zu verwischen, gehe ich in den Account des Oberarztes und fuege dort folgenden Eintrag in sein Online-Tagebuch ein: DM 500, Med. Daten an Zeitung. Sollte ausreichen!
Ich schichte ein paar Baender aus den Regalen auf den Laborwagen und zurueck, damit es so aussieht, als ob wir sie tatsaechlich verwenden. Dann gehe ich in Archie und suche nach einem bestimmten verborgenen X-GIF Server, von dem ich gehoert habe. Als ich ihn finde, starte ich einen Batch unter einem User-Account, um die Bildchen 'runter zu laden - natuerlich auf seine Kosten. Gerade noch rechtzeitig faellt mir ein, ob auch genug Speicherplatz fuer die Bilder frei ist. Um ganz sicher zu gehen, entferne ich alle Dateien auf der Platte, die nicht direkt mit dem Batch zu tun haben. Zum Beispiel die ganzen LaTeX Dokumente "diss*.*"; die sind in letzter Zeit sowieso schon wieder viel zu gross geworden.
Zurueck in User eMail schaue ich, ob sich inzwischen was getan hat. Naaah. Schliesslich grepe ich alle files nach 'schwanger', 'Scheidung' und 'Therapie' und poste sie anonym in eine lokale Klatsch-Newsgroup. Dann, bevor ich auch nur piep sagen kann, ist der Strom weg! In der naechsten Sekunde laeutet schon das Telefon.
"Hallo?" sage ich wuetend - der Coyote hat den Roadrunner gerade fast am Wickel gehabt!
"Was ist mit dem Comp..."
Ich haenge auf. Jetzt geht's um Leben oder Tod. So schnell ich kann, reisse ich das Stromkabel des Mainframes aus der Notstromversorgung und schliesse fieberhaft mein TV daran an. Verdammt! Der Roadrunner war wieder schneller! Inzwischen fangen ueberall die Warner an zu jaulen, weil die Hauptplattenspeicher 'runterfahren. Aber was soll's? Mein Mac und mein Terminal sind sowieso fest mit der Notstromversorgung verbunden, und ich bin im Beer Factory Level in Dark Castle.
Das Telefon klingelt schon wieder. Also lasse ich die Kommunikationssicherung am Notstromschaltkreis herausschnappen, und endlich ist Ruhe. Um ganz sicher zu gehen, hole ich den Hockeyschlaeger aus dem Spind und uebe ein bisschen Einer-gegen-die Wand. Durch das Glasfenster schaut das aus, als ob ich wie ein Wahnsinniger nach dem Fehler suche - wie ueblich. 10 Minuten spaeter ist der Strom wieder da und die Diagnose meldet zwei Hard Disk Crashs auf dem Main Frame - zum Teufel damit! Ich habe keinen Mann verloren, bin kurz vorn letzten Level und im TV kommen noch mehr Cartoons!
Das andere Telefon laeutet, ein User (welch Ueberraschung!). "Kontrollraum" sage ich, so richtig im Stress.
"Wann wird der Computer..."
Ich lege auf. Im Moment komme ich ganz gut voran. Nur noch ein Wizard, der unablaessig Bannflueche schleudert, steht zwischen mir und dem letzten Bild. Gleich bin ich drin! Das Telefon laeutet schon wieder! Mit einem raschen Hieb schalte ich auf Freisprechen.
"Kontrollraum", bruelle ich, voll involviert.
"Ich hab' meine Files geloescht. Meine Daten sind weg", winselt ein User ueber den Lautsprecher.
"Aber sicher doch" sage ich, weil ich mich nicht erinnern kann. Diese Bemerkung genuegt, um mich den Bruchteil einer Sekunde abzulenken. Der Wizard nagelt mich in den Boden und schmeisst mir noch einen Feuerball hinterher. GAME OVER.
"Wie war Ihr Username?", frage ich mit Honig gesalbter Stimme.
Er sagt es mir.
Ich schaue nach - und er hat recht. Sch...., dabei war ich es nicht mal!
Um meinen guten Ruf zu wahren, wechsele ich sein Login Directory nach /dev/null, setzte seinen Pfad auf '.' und setzte einen alias auf sein 'news' Kommando, welches ein scheussliches kleines Skript in seinem frueheren Home Directory startet. Das Skript schickt eine nicht mehr ganz politisch korrekte eMail an die Beauftragte fuer Gleichberechtigungsfragen der Uni und loescht sich anschliessend selbst. Wohl bekomm's!
Es ist Freitag; also gehe ich frueher zur Arbeit, sogar noch vor dem Mittagessen. Das Telefon klingelt. Sch.... Ich blaettere den Ausredenkalender um.
"SONNENERUPTIONEN"
steht da. Ok, darueber muss ich erst ein bisschen recherchieren. Zwei Minuten spaeter bin ich fit fuer den ersten Anruf.
"Hallo?" sage ich.
"WO SIND SIE GEWESEN! ICH HABE SCHON DEN GANZEN VORMITTAG ANGERUFEN UND NIEMAND GEHT RAN!"
Ich hasse es, wenn sie mich schon am fruehen Morgen anbruellen. Es deprimiert mich irgendwie. Sie wissen, was ich meine ... "Aeh, ja. Tja, wir hatten heute morgen auch wieder extrem starke Sonnenaktivitaet. Das kann boese Auswirkungen auf die Kommunikationsleitungen haben..." sage ich zuckersuess.
"Haeh? Aber sonst habe ich doch jeden erreicht?!"
"Tja, das ist durchaus moeglich. Die Auswirkungen erhoehter Sonnenaktivitaet sind ziemlich un-vor-her-seh-bar. Letzte Woche hatten wir sogar den Fall, dass ein paar Files einfach vor den Augen ihres Besitzers verschwunden sind, waehrend er noch damit gearbeitet hat ..."
"Wirklich?"
"Kein Sch...! Aeh, wollen Sie, dass ich Ihren Account schnell checke?"
"Aeh, ja. Ich hab ein paar wichtige Dateien drin..."
"Ok, wie war noch Ihr Username ..."
Er sagt ihn mir. Ehrlich, eine Muecke mit einem Sprengsatz zu erledigen ist schwieriger. Mit einem atomaren Sprengsatz. Mit AWACS-Unterstuetzung. Sch....! (Ich verzichte ab jetzt auf den klickediklackediklick-Teil, ok?)
"Wieviele Dateien sind in Ihren Account?", frage ich.
"Aehm, also, etwa 20 in meiner Doktorarbeit, circa 10 mit den Daten dazu, und noch etwa 20 fuer das Buch, das ich gerade herausgebe."
"Hm. Ich glaube, wir schauen erst mal, was noch zu retten ist. Also, da sind noch zwei Files lesbar, .cshrc und .login..."
Er schluchzt leise ins Mikrophon, ... ... mir kommen auch die Traenen!
"Was mach' ich nur?" schnueffelt er.
"Ok, haben Sie irgendwas davon auf Floppy gesichert?"
"Schon, aber die sind schon Wochen alt!"
Ich spiele mit dem Schalter des Floppy-Loeschers. "OK", sage ich, "Wie waer's, ich komme kurz rueber und lade die Backups in Ihrem Account, damit Sie pronto weiterarbeiten koennen?"
"Das waere toll", wimmert er, "aber die Floppys habe ich zu Hause. Ich fuerchte, die muss ich heut' Nacht selber runterladen."
"Gut. Aber denken Sie daran, was ich vorhin gesagt habe: Sonneneruption sind Gift fuer Disketten und Maschinen. Sie muessen Ihre Floppys unbedingt vor der gegenwaertigen Sonnenaktivitaet schuetzen. Sonst verlieren Sie noch alle Daten."
"Wie mach ich das? Sie in Alufolie wickeln?"
"UM GOTTES WILLEN, NEIN! Alufolie ist das Schlimmste! Sie wissen doch, was mit Alufolie im Microwellenherd passiert, oder?!"
"Doch.."
"Dann verwenden Sie's auch nicht! Es gibt nur eine sichere Methode, Disketten erfolgreich zu schuetzen..."
"Und wie?"
"MAGNETISCHE FELDER! Packen Sie Ihre Floppys in einen Kopfkissenbezug gefuellt mit moeglichst vielen Magneten. Sie koennen zum Beispiel die von Ihrem Kuehlschrank nehmen. Sie wissen schon, mit denen Sie ihre Zettel dort festpinnen - Solarpartikel hassen magnetische Felder."
Ich finde, so ein verantwortungsvoller Posten wie meiner sollte mit einer angemessenen Mittagspause verguetet werden. Fuer die paar Stunden setze ich den Hausmeister auf meinen Stuhl, damit es nicht so aussieht, als dass wir unsere Pflichten vernachlaessigen wuerden (sic!). Ich erklaere ihm, dass er nur darauf achten muss, dass der Hoerer nicht aus Versehen auf der Gabel landet. Er ist einverstanden und ich verschwinde.
Zuerst die Bank. Ich lasse mir 20 Mark in Zehnpfenningstuecke wechseln und frage dann nach meinem Kontostand. Waehrend der Angestellte noch tippt, ziehe ich unauffaellig den Netzstecker von seinem Endgeraet. Es stirbt natuerlich, und ich sage dass ich in Eile bin und dass ich gerne den Manager von diesem Sauladen sehen moechte. Er walzt durch die Tuer wie ein gut gefuettertes Riesenbaby und fragt mich, ob es ein Problem gaebe. Ich sage, alles, was ich wolle, sei mein Kontostand und ob das denn zuviel verlangt sei und dass ich immer noch in Eile sei. Dann kreuze ich die Finger. JA! Er findet das herabhaengende Netzkabel, steckt es wieder rein und loggt sich ein, MIT DEM MANAGER ACCOUNT.
Ich taumele wie zufaellig an den Schalter und stosse aus Versehen 200 Zehnpfenningstuecke hinunter. Der Manager beachtet mich nicht, aber alle anderen tauchen nach den Muenzen. Ich beobachte ungestoert, wie er sein Passwort eintippt - mit der halsbrecherischen Geschwindigkeit von einem Zeichen pro Sekunde! Gar kein Problem, der Hardliner macht es mir sogar noch leichter, indem er ein semantisches Wort als Passwort gewaehlt hat: ZINSEN. So ein Scherzkeks! Ich verziehe keinen Gesichtsmuskel. Nicht ganz einfach, wenn ich an meine ueberschuldete Hypothek denke. Heute Nacht werde ich da einiges richtigstellen...
Ein Benutzer den ich noch vom D(eletion)-Day '94 kenne, naehert sich, um mich anzuquatschen. Sogar der Manager schuettelt abwehrend den Kopf, aber es ist zu spaet. Er haelt direkt vor mir und richtet das Wort an mich!
"Aehm, Entschuldigung. Koennten Sie mir einen Tip geben, welchen Computer ich am besten fuer meine Diplomarbeit kaufe?"
?!?!?! Genau. "Schon mal vom neuen Pentium gehoert?" frage ich.
"Ja..."
"Meiden Sie den wie die Pest! Kaum jemand weiss das, aber man handelt sich fuerchterliche Probleme ein, wenn man ein Betriebssystem so schnell laufen laesst. Manche von den Kisten machen ueber 100 Millionen obstructions per second. Sie koennen sich ja vorstellen, dass da eine solch billige Kiste aus dem Takt kommen muss, nicht? Die Katastrophe ist praktisch vorprogrammiert!"
"Oh!"
"Nehmen Sie lieber was Sicheres und Bewaehrtes. Ein ZX81 mit dem doppelten Cassettenlaufwerk, wenn Sie das kriegen koennen. Im Vertrauen: Die sind nicht mehr leicht zu bekommen, weil alle Leute, die wirklich was davon verstehen, natuerlich nur bewaehrte Technik kaufen. Kaufen Sie bloss keine Harddisk dazu. Sie haben doch sicher schon gehoert wie oft die kaputtgehen? Cassetten dagegen halten ewig!"
"Danke, super!"
"Keine Ursache! Wie war doch noch gleich Ihr Username?"
Er sagt ihn mir.
Gerade noch rechtzeitig fuer D-Day 96. Man sollte meinen, dass sie's irgendwann lernen!
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Zurueck an meinem Arbeitsplatz finde ich den Hausmeister - eingeschlafen vor dem Terminal. Ich frage ihn, ob er nicht lieber hier arbeiten moechte, aber er lehnt dankend ab. Hier hat er nicht die Moeglichkeit, Leute in der Toilette aufzuschrecken... Ich lege den Hoerer zurueck auf die Gabel und sofort klingelt es. Ich hasse es, wenn es das tut. Ich brauche immer eine Ewigkeit, die Earphones nachher wieder reinzupfriemeln.
Diesmal ist es anders. Die heisseste Mieze auf dem Campus ist dran - und sie hat ein Computerproblem! Ich liebe solche Augenblicke. Sie machen den Job erst zu dem, was er ist.
"Wie ist Ihr Username?" frage ich - als ob ich es nicht auswendig wuesste. So schnell ich kann, ueberfliege ich ihre persoenliche eMail - das meiste nur todlangweiliges Zeug - und grepe die gesamte User eMail nach ihrem Usernamen. Nichts - vortrefflich! "Wie kann ich Ihnen helfen?", floete ich charmant.
"Ich kann mein Dokument nicht abspeichern. Es sagt etwas mit zuwenig Speicherplatz."
"Das werden wir gleich haben" sage ich und loesche alle anderen Files auf ihrer Platte - ausser den ihrigen natuerlich. "Jetzt sollte alles funktionieren..."
"Oh, vielen, vielen Dank", haucht sie ins Mikrophon.
Ich notiere mir, dass ich morgen wieder etwas an ihren Account herumdoktere.
Das Telephon laeutet, fast bevor ich es wieder auf der Gabel habe.
"Meine Daten sind alle weg!", schreit jemand am anderen Ende.
"Wann war das?" frage ich.
"Gerade eben...", sagt er schluchzend.
"Aha. Tja, Kopf hoch. Es sind noch drei Tage bis zum Semesterende. Wenn Sie Tag und Nacht dran bleiben, werden Sie schon noch eine Drei minus schaffen."
Er schluchzt noch zwei- dreimal leise und legt auf. Schwaechling!
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Das Telephon laeutet schon wieder!
"Der Bildschirm an meinem PC ist so schwach. Ich kann kaum die Buchstaben erkennen. Soll ich den Helligkeitsregler hochdrehen?"
"NEIN!", schreie ich. "Fassen Sie den Knopf nicht an! Haben Sie auch nur die leiseste Ahnung, was da fuer eine Strahlung 'rauskommt, wenn Sie den Knopf ganz zum Anschlag drehen?!"
"Also ich ..", sagt sie verunsichert.
"HOEREN SIE AUF MEINEN RAT!", sage ich. "Es gibt nur einen SICHEREN WEG, ein schwaches Display aufzumoebeln, und das ist: Nadelenergieimpulse in die Treiber geben!"
Die Worte 'Nadelenergieimpulse ' und 'Treiber' sind zuviel fuer sie. Wenn Leute solche Ausdruecke hoeren, gehen sie automatisch in 'dummy mode' und machen ALLES, was ich sage. Ich koennte ihr jetzt vorschlagen, nackt und nur mit einem Netzkabel bekleidet ueber den Campus zu sprinten und sie wuerde es wahrscheinlich machen... Hmmmm.
"Haben Sie zufaellig ein uebriges Netzkabel 'rumliegen?"
"Nein..."
"Oh, naja. Dann muessen wir das mit den Nadelimpulsen probieren... Also, Sie schalten jetzt, so schnell Sie koennen, Ihren PC ein und aus. Einfach den Kippschalter hin und herflippen, verstehen Sie? Etwa dreissig mal."